«Forschung macht Spass!» – ein Sonntag für Gross und Klein am Paul Scherrer Institut (PSI)

03.10.2023 von Evelyn Hartmann Reportage

Wissenschaft hautnah

Es herrscht reges Treiben, als ich das Besucherzentrum psi forum des Paul Scherrer Instituts, welches zum ETH-Bereich gehört, betrete. Während draussen die hauseigene Band spielt und Tische und Bänke neben dem Grillstand zum Verweilen einladen, tummeln sich in der Ausstellung Besucher und Besucherinnen, die sich interessiert zwischen den insgesamt 13 Themeninseln bewegen. Gerade die Kinder erkunden neugierig die interaktiven Exponate, blättern leuchtende Seiten um, ziehen an Hebeln, drehen an Kurbeln und verfolgen gespannt, was passiert. Drüben im Schülerlabor iLab geht es ähnlich lebhaft zu und her. Man spürt: Hier wird Wissenschaft gelebt – und das von den Grundlagen bis zur absoluten Hightech-Forschung, wie sie am PSI in über 1'000 Laborräumen und fünf Grossforschungsanlagen auf höchstem Niveau voran getrieben wird. Rund 48 Fussballfelder gross ist das Gelände, das auf beiden Seiten der Aare in den Gemeinden Würenlingen und Villigen liegt und sogar eine eigene Postleitzahl besitzt.

Entdecken, was hinter den Formeln steht

Mit viel Begeisterung erzählt Beat Henrich, Physiker und Leiter des iLab, wie Forschung für Schüler und Schülerinnen im Vakuum-, im Schall- oder im Spektrometrielabor praktisch erfahrbar wird und einen Brückenschlag zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten ermöglicht. In erster Linie wendet sich das Angebot an Jugendliche im Berufswahlalter, das Niveau kann aber je nach Bedarf angepasst werden, so dass auch Primarschulen und Gymnasialklassen gerne zu Besuch kommen. In der Regel gehören die Naturwissenschaften nicht gerade zu den Lieblingsfächern, da die Zusammenhänge von Naturwissenschaften und Technik im Unterricht oft nicht ausreichend vermittelt werden können. Genau hier kann das iLab sehr viel bieten. «Wenn wir dann am Ende des Tages im Feedback-Bogen lesen, es sei besser gewesen als erwartet, dann ist schon viel gewonnen», schmunzelt Henrich. «Und natürlich ist es toll, wenn die Jugendlichen so tief ins Experimentieren und Tüfteln vertieft sind, dass sie gar nicht merken, wie die Zeit verfliegt.» Für viele ist es ein Erlebnis, wenn naturwissenschaftliche Phänomene direkt begreifbar werden: «Es ist schon etwas anderes, ob man liest, dass ein Papierschnipsel und ein Golfball im Vakuum gleich schnell fallen oder ob man es mit eigenen Augen sieht.» Rund 200 Schulklassen pro Jahr begeben sich im iLab auf eine Reise in die Welt der Wissenschaften. Auf Wunsch schaut ein Auszubildender oder eine Auszubildende vorbei und erzählt aus erster Hand vom Arbeitsalltag am PSI. Dass anlässlich des fünfjährigen Jubiläums des iLabs 2013 auch der damalige Bundesrat Schneider- Ammann mitfeierte, ist sicher eines der besonderen Highlights in der Geschichte des Schülerlabors.

Einblicke in die Welt der Forschung

Auch Sandra Mathews, Biologin und Leiterin des Besucherzentrums psi forum, ist anzumerken, dass ihr die Wissensvermittlung am Herzen liegt. «Ins Leben gerufen wurde das psi forum als ein Geschenk an die Öffentlichkeit – wir wollen mit unserer Ausstellung und unseren Führungen durch die Grossforschungsanlagen zeigen, dass die Schweizer Steuergelder gut investiert sind», erklärt sie. Seit da ist die Ausstellung täglich ausser samstags geöffnet und wurde bereits mehrfach aktualisiert. Seit Anfang an dabei ist ein 3-D-Kino, in welchem Besucher und Besucherinnen ins Innere der Materie reisen oder etwas zum Kreislauf des Kohlenstoffs erfahren können. Wissenschaft am PSI ist stark anwendungsbezogen, etwas, das sich unter anderem in der Pandemie zeigte, als es den Forschenden extrem schnell möglich war, die Spike-Proteine des SARS-Virus zu entschlüsseln. Manchmal besuchen auch Patienten und Patientinnen, die zur Protonentherapie hierher kommen, nach der Bestrahlung das Besucherzentrum. Ebenfalls sehr beliebt seien die Führungen, die meist mit einem Rundgang zu den Forschungsanlagen verbunden sind. Manche würden ihren Besuch am PSI gleich mit einem Ausflug, gerne mit einer Wanderung, verbinden. In diesem Jahr seien zwei Gruppen sogar per Schlauchboot angereist, meint Mathews amüsiert.

Das PSI als kleine Stadt der Möglichkeiten

«Aus der Vogelperspektive sieht das PSI mit seinen rund 2'200 Mitarbeitenden wie eine kleine Stadt aus – und mit seiner auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ausgerichteten Infrastruktur – der eigenen KITA, dem Restaurant und den beiden Cafés oder dem eigenen Sport-Club – ist es das ein Stück weit auch», sagt Martina Gröschl, Pressesprecherin am PSI. «Selbst Gemüse können die Mitarbeitenden hier selbst anbauen.» In dieser internationalen Atmosphäre mit Mitarbeitenden aus rund 65 Nationen würden die vielfältigsten Sprachen gesprochen, mit Englisch und Deutsch als den gängigsten Arbeitssprachen. Lernende profitieren neben einer erstklassigen, praxisnahen Ausbildung auch von diesem spannenden Umfeld, in welchem Wissenschaft spartenübergreifend betrieben wird. Insgesamt 30 Ausbildungsplätze bietet das PSI pro Jahr in 16 verschiedenen Berufen an. Besonders schön: An den diesjährigen SwissSkills standen gleich drei Lernende des Paul Scherrer Instituts auf dem Podest – Melvin Deubelbeiss hat sich bei den Elektronikern mit Gold sogar für die WorldSkills 2024 qualifiziert.

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