Frauen können Handwerk

15.08.2022 von Rebecca Pozzoli Reportage

Interview mit Anja Frick zukünftige Sanitärinstallateurin EFZ Jaggi + Rieder AG, Saanen

Anja absolviert ihre Lehre bei der Jaggi + Rieder AG, die auf Sanitär- und Heizungsanlagen spezialisiert, und in der Region Saanen aktiv ist. Wasser ist Anjas Element. Sie zeigt dem kalten Nass mit handwerklichem Geschick und technischem Können wo’s langgeht und schafft Lebensqualität, indem sie frisches Wasser ins Gebäude bringt. Rohre verlegen, damit das Wasser bis ins oberste Stockwerk eines Gebäudes fliessen kann, für Anja Frick kein Problem: «Es ist spannend, beim Bau eines Gebäudes von Beginn an dabei zu sein, von den ersten Spatenstichen, wenn entschieden wird, wie die Wasserrohre verlegt werden, bis zu den letzten Montagearbeiten in den neuen Badezimmern». Der Handwerksbranche in der Schweiz geht es blendend. Das hat für fast alle Gewerke volle Auftragsbücher zur Folge – und für Handwerkerinnen einen sicheren Arbeitsplatz. Handwerk lebt Vielfalt und es gibt spannende Herausforderungen zu entdecken, für Männer wie für Frauen!

 

Hallo Anja, schön, dass du uns ein bisschen von dir und deinem Beruf erzählst! Wie ist es dazu gekommen, dass du dich für Sanitärinstallateurin entschieden hast?

Es ist kein Zufall, dass ich schliesslich beruflich auf dem Bau gelandet bin. Auch mein Vater arbeitet auf dem Bau, als gelernter Maurer. Seit ich denken kann, habe ich gequengelt und gedrängt, damit ich ihn als kleines Kind begleiten durfte. Schon mit sieben Jahren habe ich mitgeholfen und die Stimmung auf der Baustelle in mich aufgesogen. Während der Schulzeit durfte ich immer mal wieder einen kleinen Einsatz leisten, manchmal sogar eine ganze Woche lang. Da ist mir klar geworden: auf dem Bau könnte ich glücklich werden!

Wie ging es dann weiter?

Ich habe in unterschiedlichen Berufen geschnuppert, darunter auch klassische Dienstleistungsberufe wie Drogistin EFZ. Aber mir wurde schnell klar, dass ich beruflich lieber etwas Handwerkliches erschaffen möchte, auf das ich am Abend zeigen, und stolz sagen kann: seht her, da war früher nichts; jetzt steht da ein Gebäude, indem in jedem Stock Wasser zu- und abfliesst. Das ist das Werk meines Teams. Darauf können wir stolz sein. Nach zwei Schnuppereinsätzen bei Jaggi + Rieder war klar, dass ich Sanitärinstallateurin werden möchte. Dass ich danach gleich bei der Firma bleiben durfte und nun dort meine Lehre absolvieren kann, war wie ein Sechser im Lotto.

Wie hat dein Umfeld reagiert, als du dich für diese Lehre entschieden hast?

Erstaunlicherweise hat es keine überraschten Reaktionen gegeben, als ich meiner Familie und meinen Freunden mitgeteilt habe, dass ich auf den Bau gehe. Alle waren stolz auf mich, weil ich etwas in Angriff genommen habe, dass sich nicht jedes Mädchen traut und bei der Berufswahl meinem Herzen folge. Ich habe sogar einige Kolleginnen, die sich haben anstecken lassen... Es sind allerdings keine Sanitärinstallateurinnen, sondern Malerinnen oder Schreinerinnen. Mein Umfeld findet es Spitze, dass Frauen sich auf dem Bau engagieren!

Was genau sind die Aufgaben einer Sanitärinstallateurin?

Manch einer denkt beim Beruf Sanitärinstallateur/in an die Montage von Brünneli und WCs. Doch der Beruf umfasst viiieel, viiieel mehr: das Legen von Wasserleitungen quer durchs ganze Haus, die Montage von Wasserhähnen, Duschen und Badewannen. Die Arbeit draussen unter freiem Himmel und drinnen, wenn wir dem Gebäude den letzten Schliff geben. Manchmal sind es gröbere Tätigkeiten, wie der Transport einer Wanne oder einer Waschmaschine, dann wieder feine Arbeiten. Es wird nie langweilig.

Du arbeitest bei Jaggi + Rieder. Erzähle uns davon!

Jaggi + Rieder ist ein KMU, man kennt sich. Alle verstehen sich gut und arbeiten gerne zusammen. Es ist fast wie in einer kleinen Familie. Wenn man sich am Morgen begegnet, wünscht man sich einen guten Morgen. Es herrscht guter Zusammenhalt. Ich war als junge Frau stets willkommen und wurde nie blöd angemacht. Ich fühle mich äusserst wohl in der Firma.

Warum ist es trotzdem noch eine Besonderheit, dass Frauen den Beruf Sanitärinstallateurin ausüben?

Die meisten Frauen denken wohl «Sanitär = WC = grausig». Sie haben sich einfach zu wenig gut über den Beruf informiert, denn das Demontieren von alten Toiletten ist nur einer von vielen unterschiedlichen Aspekten des spannenden Berufs. Dabei hatte ich als Frau zu keinem Zeitpunkt Probleme bei der Berufsausübung. Klar, ich bin klein gewachsen und wenn eine schwere Badewanne in den dritten Stock transportiert werden muss, komme ich an meine Grenzen. Aber das ist erstens selten der Fall und zweitens auch schön, denn dann sehe ich, wie hilfsbereit das Team ist.

Hast du als junge Frau bei deiner Arbeit manchmal trotzdem noch gegen Vorurteile zu kämpfen?

Nein. Ich erlebe mein Umfeld als äusserst offen. Was mir allerdings schon passiert ist, ist dass man mir als Frau in einem typischen Männerberuf plötzlich männliche Attribute zugeschrieben hat. Dementsprechend erstaunt waren meine männlichen Kollegen schliesslich, als sie mich das erste Mal in einem hübschen Kleidchen mit Lippenstift und Fingernagellack gesehen haben. Als ginge in ihren Köpfen nicht beides… Aber das geht sehr wohl, ich bin das beste Beispiel dafür.

Wie ist es so, als junge Frau auf dem Bau zwischen lauter Jungs und Männern? Herrscht da ein rauer Umgangston?

Nee, der Umgangston ist freundlich. Manchmal gibt es einen blöden Spruch. Dann darf frau nicht scheu sein und muss sagen, wenn sie sich gestört fühlt. Nach 5 Minuten ist meist alles wieder okay. Wenn man Tag für Tag zusammen auf der Baustelle arbeitet, wird man zum eingeschweissten Team, das stets aufeinander zählen kann. Das Geschlecht gerät in den Hintergrund und wird zweitrangig.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Erst mache ich mal die Lehre fertig und sammle mehr Erfahrungen. Ich erlebe immer noch jeden Tag neue Herausforderungen, es gibt noch viel zu lernen. Was später kommt, wird sich ergeben. Ich kann mir z.B. die Tätigkeit als Planerin gut vorstellen, da ich auch schon immer gerne gezeichnet habe. Auch für den Beruf Architektin ist die konkrete Arbeitserfahrung, die ich im Moment auf dem Bau sammle, sehr hilfreich. Oder dann eine Tätigkeit als Projektleiterin. Auch eine verkürzte Zusatzlehre als Heizungsinstallateurin käme grundsätzlich in Frage. Es gibt so viele Möglichkeiten, aber im Moment bin ich sehr zufrieden, da wo ich bin und mit dem, was ich tue.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute in deiner beruflichen Zukunft!

 

Zu den Lehrberufen der Gebäudetechnik

Sanitärinstallateur/-innen EFZ sorgen für fliessendes kaltes und warmes Wasser aus sanitären Einrichtungen, das stets verfügbar ist. Mit einer 2-jährigen Zusatzlehre können die Berufsleute ausserdem zur Lehrabschlussprüfung eines anderen Gebäudetechnikberufes antreten: Als Spengler/in EFZ sorgen sie dann für intakte Blitzschutzanlagen und Dachrinnen, damit das Regenwasser vom Gebäudedach ablaufen kann. Als Heizungsinstallateur/in EFZ, bauen sie Heizanlagen ein, warten und reparieren diese und sorgen so dafür, dass keiner frieren muss. Als Lüftungsanlagenbauer/in EFZ fertigen und montieren sie Lüftungs- und Klimaanlagen. Denn gerade in Zeiten von Corona ist mittlerweile wohl allen bewusst, wie wichtig frische, reine Luft in Gebäuden ist. Wer jedoch lieber plant, zeichnet und am PC arbeitet, der wählt am besten eine Lehre als Gebäudetechnikplaner/in Sanitär EFZ, Gebäudetechnikplaner/in Heizung EFZ oder Gebäudetechnikplaner/in Lüftung EFZ. Denn ein genauer Plan von der späteren Installation ist das A und O im Handwerk.

 

zur Firma

Das Firmennetzwerk BKW Building Solutions steht für Gebäudetechnik aus einem Guss. Mit der Erfahrung zahlreicher Installationen und grosser Leidenschaft fürs Fach sorgen die beteiligten Firmen dafür, dass die technischen Anlagen im Gebäude wie ein Uhrwerk ineinandergreifen und perfekt zusammenarbeiten. Gebäudetechnik umfasst dabei Elektro, Sanitär, Heizung, Lüftung, Klima, Kälte, Spenglerei, Solar, Gebäudeautomation, Elektromobilität und IT. Ob Neubau, Umbau oder Sanierung; ob Privathaus, Gewerbebau oder Industriebau: das Firmennetzwerk stellt sich jeder Herausforderung mit Fach-Know-how und Engagement. Die Jaggi + Rieder AG, bei der Anja ihre Lehre macht, ist Teil der BKW Building Solutions, auf Sanitär- und Heizungsanlagen spezialisiert und seit 1967 in der Region Saanen tätig. Mit ihren 26 Mitarbeitenden bieten sie erstklassige Gebäudetechnik – von der Planung über die Ausführung bis hin zur anschliessenden Wartung und einem 24h-Pikettdienst. Ganz egal, ob ein Neubau geplant ist oder ein Objekt umgebaut oder saniert werden soll, Jaggi + Rieder übernimmt die Verantwortung und steht mit ihrem Namen für individuelle Beratung, nachhaltige Lösungen und qualitativ hochstehenden Service. Ihr Erfolgsrezept ist eine gesunde Mischung aus Tradition, Innovation und starkem Umweltbewusstsein. Das qualifizierte und engagierte Team pflegt ein offenes und vertrauensvolles Verhältnis zur Kundschaft und stellt sich gerne neuen Herausforderungen.

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