Mehr Männer in die Pflege

15.08.2022 von Rebecca Pozzoli Reportage

Interview mit Danijel Feratovic zukünftiger Fachmann Gesundheit EFZ Universitätsspital Zürich

Danijel geht gezielt auf die Bedürfnisse seiner Patientinnen und Patienten ein, um deren Gesundheit und Lebensqualität zu fördern. Mit seiner offenen, sympathischen Art, ermöglicht er vertrauensvolle Beziehungen. Danijel fühlt sich dabei optimal gefordert, denn der Pflegeberuf ist äusserst vielfältig: Das Richten und Verabreichen von Medikamenten und die Patientenhygiene zählen ebenso zum Aufgabenspektrum, wie das Meistern komplexer Pflegeprozesse und organisatorische Herausforderungen. Trotzdem sind Männer im Pflegeberuf nach wie vor eine Seltenheit. Da es in Zeiten des gravierenden Fachkräftemangels gilt, auch dieses Potenzial auszuschöpfen, ist sein Arbeitgeber, das Universitätsspital Zürich, dankbar für den motivierten jungen Mann, der sich zum Fachmann Gesundheit EFZ ausbilden lässt. Und dieser wiederum, kann sich keinen besseren Arbeitgeber vorstellen, denn das heterogene und multikulturelle Team mit Mitarbeitenden aus sage und schreibe 87 Nationen, lade tagtäglich dazu ein, sich besser kennenzulernen und auszutauschen.

Danijel, du lässt dich zum Fachmann Gesundheit EFZ ausbilden. Wieso gerade dieser Beruf?

Ich habe sehr lange nicht genau gewusst, was ich beruflich machen soll. Ich habe mich für mehrere Berufe interessiert und bin auch Schnuppern gegangen, z.B. als Kaufmann EFZ oder Automobil-Mechatroniker EFZ. Aber beides hat mich nicht aus den Socken gehauen… Es war beides okay, aber eben nicht mega cool. Ich bin ein dynamischer Typ, der gerne in Bewegung ist. Den ganzen Tag lang primär am PC zu sitzen oder am Auto zu stehen passt irgendwie nicht zu mir. Ich brauche Abwechslung, erst dann fühle ich mich richtig wohl.

Und der Beruf Fachmann Gesundheit EFZ bietet dir diese Abwechslung?

Ja. Sowohl meine Mutter, die selbst im Gesundheitswesen arbeitet, wie auch meine Lehrperson konnten sich gut vorstellen, dass ich mich für diesen Beruf eigne. Ich gebe zu, am Anfang musste ich mich von ihnen überzeugen lassen, eine Schnupperlehre als FaGe zu absolvieren. Irgendwie gab es da in meinem Hinterkopf eine Stimme, die beharrlich flüsterte: «Das ist kein Beruf für Männer, das macht man nicht als Typ!». Doch als ich es dann live erlebt habe, spürte ich sofort, dass es total gut passt. Zur Sicherheit habe ich mir noch eine weitere Abteilung angesehen, doch das Gefühl hat sich nicht verflüchtigt, sondern nur noch mehr gefestigt. Umso glücklicher war ich, als ich schliesslich den unterschriebenen Lehrvertrag in der Tasche hatte.

Wie hat dein erweitertes Umfeld reagiert, als du dich für diese Lehre entschieden hast?

Meine Mutter war glücklich und sah sich in ihrer Wahrnehmung bestätigt. Meine Kollegen reagierten unaufgeregt. Zum Teil hiess es «Oh, ich könnte das nicht!». Damit meinten sie wohl primär die Intimpflege. Aber mal ehrlich; so eine grosse Sache ist das nicht. Es gehört eben einfach zum Leben und zum Beruf dazu. Irgendjemand muss es machen. Und falls ich mal pflegebedürftig sein sollte, bin ich ja schliesslich auch froh, wenn mir geholfen wird. Das respektieren meine Kollegen. Seit ich die Lehre begonnen habe, gab es deswegen keine grossen Diskussionen mehr.

Aber die Intimpflege ist ja nicht die einzige Aufgabe eines Fachmanns Gesundheit EFZ, oder?

Genau. Vielen Menschen kommt sie einfach als erstes in den Sinn. Doch das Tätigkeitsfeld ist viel breiter: Ich bin z.B. für die Blutentnahme verantwortlich. Blut zu sehen oder zu entnehmen, macht mir keine Mühe. Im Gegenteil bin ich immer ein bisschen stolz, wenn ich die Vene «tüpfe». Im zweiten Lehrjahr werde ich eng bei der Medikamentenvorbereitung und Verabreichung begleitet. Klar, setze ich mich mit deshalb auch vertieft mit den verschiedenen Medikamenten, ihrer Wirkung und möglichen unerwünschten Nebenwirkungen auseinander. Schliesslich will ich ja nicht wie ein Anfänger aussehen, wenn die Patienten mir spezifische Fragen stellen. Ich ziehe Infusionen, verabreiche Spritzen oder frage nach der Intensität der Schmerzen. Ich begleite immobile Patienten beim Gehtraining oder spiele auch mal ein Brettspiel mit ihnen, denn besonders bei einem langen Krankenhausaufenthalt wirkt etwas Ablenkung bei den Patienten oft wahre Wunder.

Was gefällt dir an deinem Beruf am besten, was weniger gut?

Ich finde die medizinischen Aspekte äusserst interessant. Aber noch besser gefällt mir das Gefühl, den Leuten helfen zu können. Es fühlt sich gut an, Gutes zu tun. Besonders schön ist es, wenn sich die Patientinnen und Patienten dankbar zeigen und ich merke, wie diese positive Stimmung zu ihrer Genesung beiträgt. Aber es gibt natürlich auch Menschen, die mir nur wenig zutrauen und lieber darauf warten, bis ihnen ein Arzt erläutert, was ebenso gut ich hätte erklären können. Oder sie sind unzufrieden, weil ich mich nicht sofort um sie kümmern konnte. Aber das darf man nicht persönlich nehmen. Sie befinden sich in einer Extremsituation, da reagiert man schon mal gereizt. Ich kann mich jederzeit mit meinem Berufsbildner darüber austauschen. Wenn mir nicht wohl bei der Sache ist, gibt es immer auch die Möglichkeit, dass ein erfahrener Kollege oder eine erfahrene Kollegin den Auftrag übernimmt.

Du arbeitest beim Universitätsspital Zürich. Erzähle uns davon!

Das Universitätsspital Zürich ist ein riesiges Spital. Manchmal bin ich einen guten Moment lang unterwegs, wenn ich ein Medikament von einer anderen Abteilung holen oder jemandem auf einer anderen Abteilung etwas bringen muss. So bleibt man stets in Bewegung... Die Stimmung unter den Mitarbeitenden ist gelöst, man grüsst sich freundlich auf den Gängen. Und bei rund 8’400 Mitarbeitenden aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen wie z.B. Hotellerie, Medizin, Hausdienst oder Transport, findet sich immer jemand, mit dem man kurz mal ein Schwätzchen halten kann. Das Universitätsspital Zürich war meine erste Wahl. Ich bin froh, hier arbeiten zu können.

Ist der Beruf Fachmann Gesundheit EFZ wirklich ein «Frauenberuf» oder ist das ein reines Klischee?

Es hat schon deutlich mehr Frauen als Männer in der Pflege. Aber ich fühle mich als männlicher Mitarbeiter trotzdem sehr willkommen und wohl auf der Abteilung. Und da ich während des Arbeitstages mit unterschiedlichen Berufsleuten in Kontakt komme, kommt der Kontakt zu Männern auch nicht zu kurz. Ausserdem habe ich ja auch noch meine männlichen Freunde, die ich in der Freizeit treffe.

Was spricht dafür, als junger Mann in die Pflege zu gehen?

Bei manchen Pflegetätigkeiten ist es für die Patientinnen und Patienten angenehmer, wenn Gleichgeschlechtliche sie betreuen. Die Intimpflege ist ein Bereich, in dem Fachleute Gesundheit zu spüren bekommen, dass es nicht beliebig ist, ob eine Frau oder ein Mann pflegt. Während die älteren Patientinnen und Patienten meist einfach nur dankbar für die Dienstleistungen sind, egal von wem sie ausgeübt werden, werden die Jüngeren meist lieber von Gleichgeschlechtlichen betreut. Dass Männer besonders gerne von schönen, jungen Frauen gepflegt werden, ist eher ein Mythos aus Film und Fernsehen als Realität.

Pflegen Männer anders als Frauen?

Ich finde nicht. Es ist auf jeden Fall ein Vorurteil, dass Frauen einfühlsamer oder liebevoller pflegen. Ich denke, dass sich die beiden Geschlechter ganz gut ergänzen. Ab und zu holen sie mich als kräftigen Mann dazu, wenn ein schwerer Patient mobilisiert werden muss, der nicht von sich aus aufstehen kann. Dann packe ich gerne mit an. Auch wenn das einige meiner männlichen Bekannten für «schwul» halten… Männer werden als schwul angesehen oder als weniger männlich, wenn sie in die Pflege gehen. Doch Männer bleiben Männer, auch wenn sie in der Pflege arbeiten. Nein, Leute, ich bin nicht schwul. Ich bin einfach nur hilfsbereit!

Und wie geht’s bei dir beruflich weiter?

Der Beruf Fachmann Gesundheit EFZ gefällt mir sehr gut. Viele sagen zwar, dass die Verdienstmöglichkeiten in der Pflege nicht gerade berauschend seien. Ich finde aber, dass in der Pflege durchschnittlich gut entlöhnt wird. Der Lohn ist also kein Grund für einen Wechsel. Allerdings habe ich gemerkt, dass ich mich beruflich weiterentwickeln möchte, wohin weiss ich jedoch noch nicht so genau. Wahrscheinlich werde die Berufsmaturität (BM2) an die Lehre anhängen, wenn der Notenschnitt dafür ausreicht. Ich kann mir gut vorstellen, danach an einer Fachhochschule zu studieren, um mich zum Pflegefachmann FH oder Physiotherapeuten FH ausbilden zu lassen. Oder ich arbeite mal für einige Zeit im Ausland, um neue Erfahrungen zu sammeln.

Hast du irgendwelche Tipps an andere Jungs, die sich auch für einen «typischen Frauenberuf» interessieren?

Neumodischer denken und sich von Geschlechterstereotypen lösen. Diese sind total veraltet. Mutig sein und sich über die Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen informieren. Hier sind die Leute offen und freuen sich über Nachwuchskräfte jeglichen Geschlechts. Unbedingt in die Berufe reinschnuppern, egal was andere dazu sagen. Vor dir stehen 3-4 Jahre Ausbildung. Die musst du in einem Beruf machen, der dich so richtig anspricht, alles andere ist doof. Es soll ein Beruf sein, der dir wirklich gefällt. Lass’ es nicht bleiben, nur weil andere es sich nicht vorstellen können. Im Notfall kannst du immer noch nachträglich etwas verändern. Aber du würdest es bereuen, es nicht wenigstens versucht zu haben!

Vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute in deiner beruflichen Zukunft!

 

Zu den Berufen im Gesundheitswesen

Viele Berufe im Gesundheitswesen sind Weiterbildungs- oder Studienberufe. Eine berufliche Grundbildung als Fachmann/-frau Gesundheit EFZ ist dafür die optimale Basis, denn die Fachleute arbeiten in Spitälern und Heimen, dezentralen Pflegestationen, im Spitexbereich und anderen ambulanten Einrichtungen, wo sie Menschen unterstützen und pflegen, die in ihrer Gesundheit beeinträchtigt sind. Liegt ein Notfall vor, holen die Rettungssanitäter/innen HF die Patientinnen und Patienten ab, leisten wertvolle Erstversorgung und bereiten sie für die Untersuchung der Ärzte und Ärztinnen UH vor. Handelt es ich um eine Geburt, kümmern sich die Hebammen FH darum. Muss operiert werden, bereiten die Fachleute Operationstechnik HF die Instrumente vor und erstellen die Radiologiefachleute HF alles nötige Bildmaterial. Mehr zu den verschiedenen Gesundheitsberufen erfährst du auf www.gateway.one/berufskunde.

 

Zum Universitätsspital Zürich USZ

Das Universitätsspital Zürich steht jeden Tag allen Menschen offen und bieten medizinische Grundversorgung und Spitzenmedizin an zentraler Lage in Zürich. Es nutzt seinen universitären Wissensvorsprung, um verschiedenste Gesundheitsprobleme zu lösen: nah am Menschen, hochspezialisiert und auf dem neuesten Stand der Forschung. Das Unispital Zürich ist eine der national und international anerkannten Stätten für Aus-, Weiter- und Fortbildung im Gesundheitswesen. Gemeinsam mit anderen Bildungsinstitutionen bildet es jährlich 700 Lernende und Studierende aus. Sie sind Teil eines hochmotivierten Teams von insgesamt rund 8’400 Mitarbeitenden aus 87 Nationen. Als eines der führenden Spitäler der Schweiz bietet das USZ eine überraschende Vielfalt an Lehrstellen.

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